Die stressigen Tage und die Heilung im Stall
Kennt ihr das Gefühl, wenn einfach alles schief geht und der Stress an den Nerven zerrt? Wenn sich alles anfühlt wie ein riesiger Berg, den man einfach nicht mehr erklimmen kann? Genau so ein Tag war es heute. Meine Laune war irgendwo zwischen „ich will die Welt in den Wind schießen“ und „niemand sollte mir zu nahe kommen“, weil in letzter Zeit einfach so viel Negatives zusammenkommt. Wenn ich so drauf bin, hilft nur eines: Raus mit den Wahnsinnsgedanken und ab in den Stall.
Kleine Rituale, große Wirkung
Ich setze mich dann meistens auf meinen Lieblingsplatz – ja, der ist auf einem alten hölzernen Hocker im Stall – und warte. Nicht lange, dann kommt auch schon das erste Schaf zu mir. Dieses warme, wollige Fell hat so etwas Beruhigendes für mich. Wenn ich das Schaf streichle, ist es, als ob ein Schalter in mir umgelegt wird. Der Stress löst sich im weichen Fells auf, und ich merke, wie mein Puls wieder runterfährt. Es ist fast wie eine kleine Meditation, bei der ich mich ganz auf das Fühlen und Berühren einlasse. Und mal ehrlich: Was ist besser, als ein Schaf zu streicheln, wenn die Welt da draußen verrückt spielt?
Kehren für die Seele: Wie der Besen meine Nerven beruhigt
Wenn das Streicheln noch nicht ganz reicht, greife ich zum Besen. Ihr werdet lachen, aber das Kehren hat fast etwas Therapeutisches! Wenn ich den Hof aufkehre, dann wirklich mit allem, was ich habe. Und wisst ihr was? Es funktioniert. Es ist, als ob der ganze Frust und die Wut mit dem Schmutz vom Hof fegen. Der Schweiß rinnt, die Gedanken kommen in Bewegung und wenn wieder ein böser Gedanke aufploppt, dann kehre ich einfach noch schneller. Es ist wie ein kleines Fitnessprogramm für die Seele. Und am Ende des Tages ist der Hof nicht nur sauber, sondern auch meine Psyche ein gutes Stück gereinigt.
Die Schubkarre-Frage und das Geheimnis des „Taubstellen“
Aber natürlich gibt es auch wieder diese Momente, in denen mir der Spaß an der Landluft genommen wird. Zum Beispiel, wenn Thomas mir wieder eine seiner klassischen Fragen stellt: „Gerhild, wo hast du denn die Scheibtruhe (= Schubkarre) wieder hingestellt?“ Also, ehrlich – die steht immer dort wo sie immer steht – also das weiß er doch selbst! Da könnte ich jetzt natürlich direkt antworten und ihm die Karre holen. Aber nicht mehr! Ich hab‘ mir eine Methode angeeignet. Ich stelle mich einfach taub. So richtig schön unbeteiligt. Und nach dem dritten Mal fragen, sieht er dann doch selbst nach. Und ich? Ich schmunzle vor mich hin. Vielleicht klingt das gemein, aber glaubt mir, es tut richtig gut, wenn man auf solche Fragen einfach mal nicht reagiert. Und inzwischen hab ich den einen oder anderen Tipp auch schon weitergegeben, und lasst euch sagen: Die Reaktionen von den anderen Frauen? Unbezahlbar!
Es sind oft diese kleinen, scheinbar unbedeutenden Dinge, die einem den Tag retten. Das Streicheln der Schafe, das „Fege-Gefühl“ und das Taubstellen bei wiederholten Fragen. Aber am Ende des Tages ist es das, was uns auf den Boden der Tatsachen zurückholt und uns das Schmunzeln ins Gesicht zaubert.
Mein persönlicher Tipp für stressige Tage
Also, wenn euch das Leben wieder mal zu viel wird, denkt dran: Ein paar Minuten bei den Schafen oder der Besen in der Hand können Wunder wirken. Glaubt mir, es lohnt sich!
Eure Shoafbäuerin Gerhild